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Auszug aus dem Buch:

Sorge dich nicht, Seele!

Warum wir nicht verzagen müssen.

Adeo Verlag
Margot Käßmann

In letzter Zeit wird das Thema Pflege immer bewusster wahrgenommen. Sicher, wir haben eine Pflegeversicherung. Aber klar ist doch: niemals wird eine Versicherung eine Pflege garantieren können, die so ist, wie wir sie uns wünschen: liebevoll, rundum versorgt, ohne das Gefühl, irgendjemanden zur Last zu fallen.
Viele Menschen haben große Angst davor, ein Pflegefall zu werden. Ich erinnere mich an ein Frühstück, zu dem ich der katholische Theologe Hans Küng eingeladen hat. Wir haben - in altbewährter Weise gegenseitiger Wertschätzung - über die Frage der Sterbehilfe gestritten. Bei den ersten Anzeichen von Demenz, so Hans Küng, würde er sich das Leben nehmen. Aber warum nicht offen dafür sein, dass andere Dich vielleicht sogar sehr gern, liebevoll und mit Respekt pflegen und begleiten wollen? Hieße das denn, für alle, die dement sind, gibt es kein sinnvolles Leben mehr?

Mir sind solche Gespräche wichtig, natürlich ist es auch für mich keine großartige Aussicht, dement zu werden. Aber es ist ja auch eine Gnade, dass Menschen mit Demenz genau das nicht mehr wahrnehmen und relativ zufrieden leben. Wer will denn da urteilen, ob das ein gutes Leben ist oder nicht? Die Demenz ist ein breites Krankheitsbild mit vielen verschiedenen Stadien. Mir ist bewusst, wie umstritten die Frage ist. Für die Seele sorgen heißt für mich auch, Menschen die Angst davon nehmen, dass sie eine Last sind. Gewiss, bei Hans Küng und vielen anderen ist die Befürchtung dominant, nicht mehr Herr oder Herrin seiner bzw. bzw. ihrer Sinne zu sein. Das verstehe ich auch. Aber hieße das nicht auch, dass Menschen, die geistig behindert sind, kein sinnvolles Leben leben? Es gibt da keine einfachen Antworten. Aber reden sollten wir darüber! Ich kann heute nicht sagen wie es mir gehen wird, wenn Kontrollverlust einsetzt. Auch ich möchte nicht gern eine Last für andere sein. Aber ich würde gern anderen das Gefühl geben, dass sie keine Last, sondern dass wir froh sind, sie (noch) bei uns zu haben. Vor kurzem starb die Ehefrau eines Mitarbeiters meines Vaters. Wir haben telefoniert und ich war beeindruckt wie Ehemann und Tochter sagten, es sei so gut gewesen, die Zeit für die Pflege zu haben, sie bei sich zu haben bis zuletzt. Da war eine Klarheit, dass es richtig gewesen war, ohne irgendwelche intellektuellen Debatten, sondern schlicht mit Lebensweisheit. Und mein Eindruck war, ihre Seelen hatten Frieden gefunden durch diesen Abschied, bei aller Trauer um den Verlust.
Allerdings wissen viele Angehörige nicht, wie sie die Pflege leisten sollen. Auch da ist die Seele belastet, wie soll das gehen, wenn die Kinder weit weg wohnen, berufstätig sind, eigene Kinder erziehen müssen? Wie kann Würde gewahrt werden? - Das ist meist die entscheidende Frage. Sicher, es werden Geschäfte gemacht mit Ganztagskräften aus Polen oder der Ukraine. Aber das geschieht mit einem schalen Gefühl und schlechtem Gewissen. Und es ist eben auch nicht die ideale Lösung.
Die eigenen Eltern alt und krank werden zu sehen, fällt vielen Menschen sehr schwer. Die Mutter, die immer Rat wusste, erkennt mich nicht mehr. Der Vater, der doch so stark war, als Held meiner Kindheit, er wird zunehmend hilfsbedürftig. Und damit sehe ich auch vor mir, dass ich selbst eines Tages nicht mehr stark und selbstständig, sondern auf andere angewiesen sein werde.
In einer solchen Situation hilft zu aller erst das Gespräch mit anderen Betroffenen, wie geht es Dir damit? Welche Erinnerungen stärken Dich? Und was fällt Dir so schwer angesichts der Schwäche der anderen? Daneben aber müssen Lösungen gefunden werden. Ein gewisser Grad an Pflege lässt sich organisieren. Aber wir brauchen auch mehr Gemeinschaft - und mehr Nachbarschaftsgeist, dass sich Menschen bereit erklären, mal vorbeizuschauen, sich Zeit zu nehmen. In den amtlich vorgegebenen 23 Minuten ist zwar die "große Morgenwäsche mit Toilettengang" zu leisten - wenn auch nur knapp und gerade so -, aber das ist doch keine Pflege. Als Allererstes ist das den ambulanten Pflegekräften bewusst. Und es schmerzt. Ich denke, wir brauchen einen neuen Aufbruch als Gemeinschaft. Hinschauen, hingehen, darüber reden, wer einen Besuch oder Hilfe beim Einkaufen benötigt. Konfirmandenprojekte gibt es, bei den Konfirmandinnen und Konfirmanden eine Zeit lang für einen älteren hilfsbedürftigen Menschen zuständig sind. Und es zeigt sich, dass viele jungen Leute den Kontakt aufrecht erhalten, weil sie sich freuen, gebraucht zu werden. Da ist Fantasie gefordert, um die einen mit den anderen zusammenzubringen. Das Konfirmandenprojekt ist ja nur eine von vielen Möglichkeiten. Ehrenamtliche Großeltern sind ein großartiger Ansatz zur Entlastung junger Familien, vor allem von Alleinerziehenden.

Menschen, die in der Betreuung pflegebedürftiger Senioren tätig sind, sei es beruflich oder aus der Hingabe zu lieben Angehörigen, leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Dieser wird leider oft zu wenig wertgeschätzt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie durch das Portal „Seniorenwegbegleiter“ interessante Kontakte zu netten Menschen knüpfen, Ideen zur Neugestaltung Ihres Alltags gewinnen und daraus neue Kraft schöpfen.  

Margot Käßmann 

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